„Was ist mit diesem Wochenende, Fröschi? Ich habe frei. Kommst du mit? Eine Runde ins Bergische? Riktig Wind um die Nose? Ich muss auspowern. Ich möchte dich dabei haben.“
Die letzten Wochen war er ständig unterwegs gewesen. Die Asiaten, für die er eine Werbecampagne starten sollte, hielten ihn auf Trab. Sein Chef machte sich rar und überließ ihm das Management. Er tingelte zwischen Haltern und Berlin ständig hin und her, wusste nie, wann er wo war und wann er frei hatte.
Wenn es die Zeit erlaubte, flog oder raste er zu seiner Mum.
Das war so selten, dass sie sich Internet anschaffte, damit sie in Kontakt blieben.
Ich lernte ihn in einer Community kennen und wir verstanden uns unglaublich gut.
Als Freunde, denn es gehört zu mehr auch mehr, so dass wir uns darauf einigten, bei Freundschaft zu bleiben.
Ein Leben auf der Überholspur. Immer unterwegs, nie wusste man, wo er morgen stecken wird. In der Freizeit dominierte seine Ducati. Der Nürburgring und unsere hiesigen Serpentinen waren seine besten Freunde.
Niemals hätte ich mich auf eine Fahrt mit ihm als Sozia eingelassen. Erstens war hinten eh kein Platz. Zweitens war er lebensmüde und immer am Limit mit allem was er tat.
„Was ist nun? Kommst du mit?“
„Nein. Dieses Wochenende musst du alleine cruisen. “
Es war April. Der Anruf seiner Mutter kam um 8 Uhr morgens und sie erzählte mir in gebrochenem Deutsch, dass sie ihren einzigen Sohn verloren hatte.
Er hatte keine Bremsspur hinterlassen. Die Leitplanke war durchbrochen, die Ducati ähnelte in nichts mehr der roten Maschine. Sein Genick war gebrochen. Er war sofort tot.
Er wurde eingeäschert und in Wales begraben. Daheim.
Mir blieb ein Bild von ihm und ein Zettel für mich und ein Kreuz, dass seine Freunde ihm an die Leitplanke setzten. Kurz vor Dabringhausen kreuzte vermutlich Wild seinen Weg und die Straße war feucht.
Manchmal frage ich mich, ob es anders gelaufen wäre, ob er noch am Leben wäre, hätte ich Zeit gehabt oder sie mir einfach genommen und hätte er dadurch langsamer fahren müssen, weil ich eine Mopedschnecke war.
Seitdem bin ich nicht mehr selbst gefahren und noch heute vermisse ich ihn unglaublich.
So long Jem, du fehlst mir immer noch.
vor 2 Tagen
