„Ich helfe dir.“ sagte das Pferdchen und legte sich mächtig ins Zeug.
Immer wieder wenn der Bauer mit seinen Kräften am Ende war oder nicht weiter wusste, legte das Pferd noch einen zu; immer wenn das Bäuerchen seine Hilfe benötigte, war es zur Stelle. (Dummes Pferdchen)
Es bekam hin und wieder gutes Futter und auch ein paar Streicheleinheiten, doch manches Mal stand es vor dem Bauern und verstand die Welt nicht mehr. Irgendwann jedoch wurde auch das Pferdchen traurig, weil der Bauer so kraftlos war und auch zwischendurch dem Pferd keinen Respekt schenkte. So ging es über Monate.
Das Pferdchen mochte den Bauern sehr, aber was sollte es tun um ihm zu helfen seine Kraft wieder zu erlangen?
Eines Tages sagte es: „Bauer, auch ich brauche auch einige Dinge damit ich weitermachen und bei dir bleiben kann, denn auch mir gehen die Kräfte verloren.“
Der Bauer hörte scheinbar aufmerksam zu, denn das Pferdchen war im sehr wichtig, tat es ihm doch gut. (Aber wieso forderte jetzt dieses Pferd etwas von ihm, wo es doch sonst so genügsam war? So etwas "geht gar nicht", denn er ist schließlich der Bauer.)
Sie unterhielten sich lange und oft und in der Folge erkannte der Bauer doch, dass er etwas tun musste, damit er das Pferdchen bei sich behalten konnte, oder etwas tun musste, um seinen Weg auch ohne es zu schaffen.
Ein paar Tage später war der Bauer wieder am Ende seiner Kräfte, doch ließ er es das Pferdchen diesmal nicht sofort merken. Zu viel beschäftigte ihn. Nicht einmal mit ihm sprechen konnte er darüber. Er hatte Angst und Zweifel, ob er sich und dem Pferdchen und dem ganzen Leben gerecht werden konnte und auch Angst, das Pferdchen zu verschrecken und damit zu verletzen, Angst davor, was kommen könnte.
So kam es, dass der Bauer das Pferdchen einfach im Stall ließ und lieber seinen eigenen Weg ging. Back to the roots den alten Spuren folgte, die ihm vertraut schienen.
Das Pferdchen wunderte sich zunächst. Es hatte sich so sehr auf den Tag gefreut und darauf, dem Bauern zur Seite zu stehen. Vielleicht hatte es dem Bauern zuviel abverlangt? Vielleicht hatte es sich selbst zu viel abverlangt!
Nun stand es im Stall und wartete und mümmelte sein Heu.
Nichts geschah.
Der Bauer jedoch wollte gar nichts nichts ändern und verkroch sich lieber in seine Hütte und die Sicht auf seine Welt, dachte an alte Zeiten.
„Ach ich weiß nicht, ich glaube, ich kann gar nichts ändern.“, meinte er zu sich selbst, tat nur die nötigsten Dinge und wählte den Weg, der ihm am Einfachsten erschien. Das war eine gute Idee, denn für alles andere fehlte ihm schließlich die Kraft.
"Ach, es geht doch auch ohne dieses neue meckernde und fordernde Pferdchen, dass ja so wenig Verständnis hat. Warum denn schwierig und anstrengend wenns auch einfach geht?", fragte er sich selbst und ging seine alten Wege.
Nach kurzer Zeit hatte das Pferdchen die Nase gestrichen voll, blies dem Bauern noch einmal kurz den Marsch, zerschmetterte seine Box, schloss die Tür fest hinter sich, verließ den Stall und den Bauern und graste fröhlich mit vielen anderen Pferden auf einer grünen Wiese unweit des alten Hofes. Es beschloss, nie wieder einem Bauern zu Diensten zu sein, der es zwar nicht zu schätzen aber dafür zu verletzen wüsste.
Und immer wieder sagte sich das Pferdchen: „Wie schön dass ich weiß, dass ich kann, weil weiß was ICH WILL, denn ich habe einen starken Rücken und einen noch dickeren Kopf.“ So begann es zu lächeln, ging zuversichtlich vorwärts, überließ den Bauern sich selbst (sowie seiner uralten Weltansicht und Einstellung) und fühlte sich befreit von dem Bedürfnis, zur Ziege zu mutieren.

6 Kommentare:
Wenn der Bauer sein Pferdchen wieder für sich gewinnen will, muss er sich aber mächtig ins Zeug legen.
Auch fleißige Pferdchen haben keine Eselsgeduld...
@Lilly: Das Pferdchen plant grad ne NL-Reise mit Fohlen und möchte gar nicht in den Stall zurück sondern erst einmal die frische Luft genießen. Der Bauer kann nicht. Das ist Fakt. Und so soll es sein.
Hab dir heute schon mal ne Runde Frischluft auf unbekannten Weiden verpasst ;).. ich hoffe das war nötig und gut..grins...Knutschaaaa
Irgendwann werden auch kleine Pferdchen vernünftig.
LG T. ;)
Öhm...heisst dass, der Bauer hat jetzt ein Pferdchen am Laufen ??? ;-)
Was nützen dem Bauern die dicken Kartoffeln, wen er niemanden hat, der ihm hilft sie vom Feld zu holen ?
@ Stumpfi: Wenn ich das mit dem Video noch hinbekomme und es nicht dauernd schrotte, folgt hier auch noch Bericht darüber. Danke nochmal. Das war oberklasse.
@ T: Senor? Irgendwann müssen Pferdchen leider auch das.
@ Exhausted: Das kommt natürlich auf die Betrachtungsweise an. Hihi.
"Was nutzen dem Bauern...? "
Es gibt ja auch noch ältere und vernünftige, dafür langweiligere Pferdchen, die ohnehin schon keinerlei Nerven mehr besitzen. Die sind geduldiger.
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