Dienstag, 24. August 2010

geträumt

Es klopft an der Tür und ich quäle mich müde aus dem Bett. Grad eine knappe Stunde habe ich Schlaf gefunden.
Ich schlüpfe in meinen Bademantel und öffne die Türe.
Draußen steht ein kleiner Mann, der mich mit seinen roten Augen fröhlich anblinzelt.
„Hast du schon auf mich gewartet?“ fragt er und unter seinem schiefen Grinsen zeigen sich ebenmäßige, spitze und weiße Zähne. Der ganze Hausflur hinter ihm liegt im Nebel.
„Wer bist du und wie kommst du hier hinein?“ frage ich ihn und er antwortet, dass ich ihm doch Tür und Tor geöffnet hätte und ich mal nicht so scheinheilig tun sollte, denn schließlich hätte ich doch noch vor ein paar Tagen mit ihm gespielt.
„Also können wir zwei Hübschen uns auch einmal intensiver unterhalten.“, sprachs aus und war schon in meinem Wohnzimmer.
„Der Raum könnte auch mal eine Generalüberholung gebrauchen, nicht wahr?“
„Es ist halb 2 Uhr Nachts. Was willst du hier? Dich mit mir über die Renovierung unterhalten?“

„Ich möchte dir einen kleinen Handel vorschlagen, der uns beiden zugute kommt.“
„Nachts? Spinnst du?“
„Ich bevorzuge die Nacht, genau wie du und gerade jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt.“
„Ich bin müde.“
sage ich.
„Paperlapapp, es ist Vollmond, da bist du nie müde.“ Ich gebe auf.

Er sitzt mit verschränkten Armen auf meinem Sofa und ich werfe mich resignierend in einen meiner Wippsessel.

„Also. Ich habe da eine Sache beobachtet, die du sicherlich gern rückgängig machen würdest. Du weißt was ich meine?“ Sein diabolisches Grinsen wird noch breiter und er sitzt mir lässig zurückgelehnt gegenüber und funkelt mich listig an.
„Ja.“ Mehr kann ich darauf nicht sagen.
Kleinlaut gefällst du mir viel besser als vorlaut. Gut so.
Also, was würdest du mir geben, wenn ich dir die Möglichkeit gebe, alles wieder gut zu machen?“
„Alles bis auf meine Kinder.“
„Die will ich auch nicht. Die sind mir zu sauber.“
„Was möchtest du haben, was so viel wert wäre?“
„Ich gebe dir die Möglichkeit mir deine kleine schmutzige Seele zu überschreiben. Ein Klacks für das, was ich dir dafür biete, dann lasse ich die, die du verletzt hast glücklich leben, als wäre nichts geschehen und du nicht in ihr Leben getreten. Na? Ist das ein Vorschlag?“
„Warum willst du eine Seele, die Flecken hat?“
„Genau die mit den frischen sind mir die Liebsten. Die mit den ersten Flecken und Löchern. Die angefressenen. Die, die wissen, was es bedeutet jemanden verletzt und enttäuscht zu haben. Das sind die Besten in meiner Sammlung.Deine bekommt einen Ehrenplatz, das schwöre ich dir.“
„Und er wird wieder glücklich sein können, wenn ich was unterschreibe?“
frage ich und suche noch nach einem Pferdefuß bei der Sache.

„Ja das wird er, ich notiere:
1. frei sein und glücklich und dich vergessen.
2. Du wirst deinen schnöden Körper behalten und mir bei Lebzeiten deine Seele geben und nichts mehr spüren. Keine Schuld, keine Sorgen, nüschte. Allet ejal sozusagen.
3. Ich sorge dafür, dass ihm nichts mehr weh tut und er dich vergisst als wäre nichts gewesen.
4. Ok, ich lege noch einen drauf: Alle anderen werden dich auch vergessen, sobald sie es sich wünschen.
5. Du wirst zu einem Nichts. Und ich könnte auch die Zeit ein wenig zurückdrehen? Sagen wir mal so 4 Monate?“
„Nein, das ist nicht nötig. Mir reichen 1, 3 und 4 aber ich möchte nichts vergessen und das mit dem "Nichts-spüren" lassen wir auch weg.“

Er streicht auf seinem Zettel und hebt eine Augenbraue.
„Einverstanden. Ziemlich dämlich aber easy.“
Er reicht mir das Papier, schmutzig und mit alten Buchstaben versehen.
Er piekt mich mit einem kleinen angespitzen Knochen in meinen Zeigefinger und ich drücke einen blutigen Klecks auf das alte Papier. Es dampft.

„Braves Mädchen! So soll es sein.“ Er springt fröhlich auf und plötzlich habe ich das Gefühl, er ist einen halben Meter größer geworden. „Sobald ich meinen Part erfüllt habe, komme ich mir holen, was nun mir gehört. Ich melde mich umgehend.“

Mit einem „Schnipp“ ist er verschwunden und ich wache auf.

… wenn doch alles so einfach wäre …