Sonntag, 25. Juli 2010

Glück gehabt

Gestern auf der Loveparade:
Wir waren durch unser angeborenes Trödel-Gen mal wieder etwas später (17:00 Uhr) dran als geplant und doch hätte es gereicht genau dort zu stehen, wo gestern diese armen Menschen zu Tode gekommen sind.
Als wir ankamen hieß es schon, dass der Eingang zum Gelände dicht ist und man mindestens 45 Min. Wartezeit einplanen müsste. (Hab mich schon gewundert über die Aussage "DER Eingang").
Viele meckerten über die Organisation und wie man eine solche Veranstaltung überhaupt einzäunen kann.
Es waren Unmengen an Menschen unterwegs, der Strom riss nicht ab, Unzufriedenheit machte sich breit, weil es nur einen Eingang zu geben schien.

Wir haben entschieden uns da nicht anzustellen, die Friedrich-Wilhelm-Straße bis zum Ende zu laufen und dort mit Musik zu versorgen. Dort war ne tolle Stimmung, klasse Musik, überall gute Laune und alles tanzte auf der Straße. Kein bisschen hat man mitbekommen von der Katastrophe, die sich ein paar hundert Meter hinter uns abgespielt hat.
Als die Einsatzwagen später am laufenden Band fuhren, hatten wir grad erfahren, dass es Tote gegeben haben muss.

Wir hatten keine Lust auf dieses unglaubliche Gedränge, was im Nachhinein ein großes Glück war!
Unseren Familien konnten wir erst nach der Rückkehr daheim Bescheid geben, dass uns nichts passiert ist, weil das Handynetz vollends ausgefallen war und man keinen Empfang hatte.

Um zurück zu kommen haben wir am Bahnhof über eine Stunde gestanden. Auch da wurde schon um 22 Uhr keiner mehr durchgelassen, auf einen Eingang reduziert und gesperrt. Keinen Zentimeter ging es während einer Stunde Wartezeit vorwärts (von wegen "es geht schubweise weiter, es kommen ja jede Menge Züge...").
Sonderzüge? Wie denn auf 3 Gleisen, die auch noch hintereinandergeschaltet sind???
Utopie!
Dann wurden Busse eingesetzt; hintereinanderfahrend in einer engen Straße in Nähe des Bahnhofs. Die Leute sind einfach eingestiegen, nur um aus dem Gedränge zu enfliehen. Ziel? Erstmal weg da.

Wie kann man eine solche Menschenmenge so einkesseln?
In Berlin wurde alles offen gelassen. Im Falle einer Panik hätte sich die Menge zerstreuen können.
Auch in Essen war "freier Lauf" gegeben.
In Duisburg herrschte sowohl Kontrollzwang gepaart mit einer absoluten Unterschätzung der Situation vor. Unfreundliche, genervte und überforderte Polizisten, die einen auf der einen Seite kontrollierten ("Machen sie die Tasche auf!!!" ohne "bitte..."), während man genau dort, wo man durch ne Absperrung grad durch war und kontrolliert wurde, von der anderen Seite unkontrolliert genau an die gleiche Stelle gelang.
Ich habe mich wirklich gefragt, wie krank das denn bitte ist!
Man bekommt nun einmal kein Kamel durch n Nadelör und das Resultat des Versuchs sind nun Tote und Verletzte und trauernde Angehörige.
Das traurige Fazit einer sonst so tollen Veranstaltung, die es jetzt nicht mehr geben wird.

Da waren die 40 Euro fürn Taxi zurück bis zum Autostandpunkt auch egal.

5 Kommentare:

NoX hat gesagt…

Ohne Worte! Das Krasse ist ja, dass die wohl nicht mit so einer Menschenmasse gerechnet haben. Hallo? Bochum hat es wohl richtig gemacht. Duisburg nicht. Dann lieber auf nem Acker, als in nem Käfig.

Stumpfi hat gesagt…

Scheisse..sei froh das du heile Zuhause bist...Drückerchen von mir für du ;)

Anonym hat gesagt…

Das hätte nicht passieren dürfen und so was wird ja von ganz wichtigen Leuten in ganz wichtigen Positionen geplant, die sich dann auch noch zu dem Unglück möglichst wichtig äussern und gucken wie sie den Staub von der Weste bekommen.
Es ist Schade das es die Loveparade nicht mehr geben soll aber ich glaube angesichts leerer Kassen und den wichtigen Vollhonks und noch diverser anderer Gründe isset besser so.

Wörner hat gesagt…

Da haben die Orga-Spackos wegen Profilneurosen alle Einwände im Vorfeld in den Wind geschlagen, auf Kosten von 19 Menschen, traurig.

Rotzlöffel hat gesagt…

@Nox: Nicht gerechnet; genau. Ständig wachsende Besucherzahlen im Ruhrgebiet und scheinbar lässt das mathematische Denken nach. Ungeeignetes Gelände und dann reglementiert zusammenrotten. Da bleibt einem wirklich die Spucke weg. Und dann nur für 250tsd Leute auslegen und vorsichtshalber 500tsd versichern.

@ Stumpfi: Gruß gebraucht und runderneuert zurück.

@ schuschan: So ist es doch hier mittlerweile. Es entscheiden wenige über alle, umgehen Bedenken, erteilen Sondergenehmigungen um Gesetze herum, verbieten, verbiegen, genehmigen nach Gutdünken, verweigern ebenso nach Nase. Und sowas kommt dabei heraus. Meine Kinder melde ich bei McFit jetzt erstmal ab. Die Große selber, die Kleine ich.
Warum kann man Menschen nicht einfach feiern lassen? Pinkpop, damals Woodstock (da haben sie auch die Tore geöffnet, weil sie eingesehen haben, dass man die Massen nicht einsperren kann). Nur in Deutschland, dem Kontrollfreak geht sowas natürlich nicht. Da muss alles seine Ordnung haben.

@ Wörner: Alles ne Frage des Geldes. Wenn ich nur ne gewisse Zahl anmelde, brauch ich nur ne gewisse Zahl versichern und auch nur für ne Gewisse Zahl Zuwege schaffen. Für 250000 Menschen hätte der Tunnel evtl. langsam durchquert gereicht. Völlige Unterschätzung der Situation. Und Warnungen werden immer gern in den Wind geschlagen, auch wenn man anschließend Menschenleben zu beklagen hat.